Über den Künstler

Probierbogen: Bleistift-Abrieb einer Rautenstruktur in vier Druckstärken, mit handschriftlichen Notizen
DER KÜNSTLERSpät zur Kunst gefunden

Oliver Lödorf

Ein Perfektionist aus der IT, der mit Mitte vierzig zur Kunst gefunden hat, ohne Vorkenntnisse und ohne Lehrer. Digifro ist sein Hobby, sein Experimentierfeld und, wie er sagt, ein Exorzismus mit sich selbst.

  • 8 Jahrealt beim ersten eigenen Computer
  • Mitte 40beim ersten Digifro
  • Sekundenbis die Vision fast vollständig stand
  • ≈ 2.000Testbilder am eigenen Rechner

Herkunft

Porträt von Oliver Lödorf

Oliver Lödorf wurde in Bonn geboren und lebt heute in Troisdorf, verheiratet, Vater von vier Kindern. Mit acht Jahren bekam er seinen ersten eigenen Computer, einen Commodore 16. Von da an ließ ihn die Technik nicht mehr los, und fast alles, was er darüber weiß, hat er sich selbst beigebracht.

Daraus wurde ein Beruf: Seit vielen Jahren arbeitet er in der IT, heute als Projektleiter für IT-Sicherheit. Wer große IT-Projekte steuert, denkt jedes Detail und jede Abweichung bis zum Ende durch. Dieser Perfektionismus prägt ihn, und er ist der Stoff, aus dem Digifro gemacht ist.

Neben Digifro gehört seine Zeit der Familie, Konzerten, Technik aller Art, dem 3D-Druck, der Heimautomation und vor allem: Musik hören.

Musik: erst Spuren, dann Bilder

Ein Musiker ist er nie geworden. Die Blockflöte zählt er selbst mit einem Augenzwinkern dazu, am Schlagzeug hat er sich kurz versucht. Prägender war der Rechner: In der Jugend experimentierte er auf dem Amiga mit OctaMED, später unter DOS mit Fast Tracker 2, und komponierte, sehr laienhaft, eigene Stücke. Erhalten ist davon nichts.

Geblieben ist etwas anderes: In diesen Programmen besteht ein Stück aus einzelnen Spuren, die man getrennt sieht, stummschaltet und verschiebt. Dieser Blick hat ihn nie verlassen. Bis heute zerlegt er einen Song beim Hören in Gedanken in seine Instrumente und achtet genau darauf, wie gut er produziert ist.

Sein Geschmack ist querbeet mit Schwerpunkt Rock: System Of A Down, Rage Against The Machine, Rammstein, Papa Roach, Billy Talent, aber ebenso Laith Al-Deen, Schiller, Kraftwerk oder Moby. Das Konzert, an das er sich am liebsten erinnert: Rammstein in der Berliner Waldbühne, 2016. Einen Song, den er in ein Bild übersetzen will, hört er primär auf Kopfhörern, smarten Lautsprechern, im Auto und an der Stereoanlage, denn jedes Gerät zeigt eine andere Seite der Produktion.

Eine Vision in Sekunden

Mit Kunst hatte er lange nichts im Sinn. Frottage kannte er wie die meisten aus der Kindheit: Papier auf eine Münze, Bleistift darüber. Ernsthaftes Interesse weckte das damals nicht. Erst in diesem Jahr kam die Technik zurück, eher zufällig.

Im Frühsommer 2026 paust er versuchsweise die Oberfläche eines GuiroEin Güiro aus Kuba, spätes 19. JahrhundertGüiro, Kuba, spätes 19. Jahrhundert · The Metropolitan Museum of Art, gemeinfrei (Open Access) auf Papier ab, des geriffelten Rhythmusinstruments. Im Gespräch mit einem musikbegeisterten Menschen fällt die beiläufige Frage, was eigentlich dahintersteckt. Die Antwort kommt in wenigen Sekunden, und sie ist fast vollständig: Jeder Song wird in seine Instrumente zerlegt, jedes Instrument bekommt eine feste Farbe und eine Textur aus seiner Bauweise, die Zeit wird zur Bildbreite, die Lautstärke zum Stiftdruck.

Was danach kam, hat dieses Gerüst nur ausgebaut:

  • In SekundenSpuren, Farben, Texturen, Zeit als Bildbreite, Lautstärke als Druck
  • Danachautomatische Trennung und Messung der Spuren, kontrollierte Regelbrüche („Overrides“), weitere Stile der Darstellung
  • Dannein eigenes Frottage-Studio, Werkdatenblätter, diese Website
  • Heuteder Weg zurück ins Analoge

Bewusst ohne Vorkenntnisse

Oliver Lödorf hat keine künstlerische Ausbildung und vor Digifro nie ernsthaft gezeichnet oder gemalt. Er hat sich auch nicht erst eingelesen: Er hat bewusst ohne Vorkenntnisse angefangen, um die eigene Vorstellung nicht von fremden Regeln überschreiben zu lassen. Klanganalyse, Spurtrennung, Bildgenerierung, Druck und Material hat er sich Schritt für Schritt selbst erarbeitet, durch Ausprobieren, Verwerfen und erneutes Ausprobieren.

Die Software dahinter hat er mit einem KI-Programmierassistenten gebaut. Ideen, Regeln, Aufbau, Gestaltung und jede einzelne Entscheidung stammen von ihm; der Assistent schreibt, was er vorgibt. Wie viele Abende und Nächte darin stecken, zählt er nicht mehr. Es waren sehr, sehr viele.

Der Aufwand hinter dem Bild

Ein Digifro sieht aus wie eine schnelle Buntstiftskizze. Dahinter steht ein Apparat, den man dem Bild nicht ansieht.

  • Ein eigenes Stilmodell

    Er hat eigene Stilmodelle (LoRA) trainiert, aus eigenen Bildern und gemeinfreien Vorlagen, auf einer Grafikkarte mit 8 GB Speicher. Rund 2,5 Minuten rechnet sie an einem Bild, rund 2.000 Testbilder sind so entstanden.

  • Lokal, und ehrlich

    Ein fertiges Digifro-Werk ist an seinen eigenen Rechnern bis jetzt nicht entstanden; die Werke kommen aus großen Bildmodellen im Netz. Aufgeben will er die lokale Bildgenerierung (noch) nicht.

  • Regeln und Regelbrüche

    Sechzehn kontrollierte Eingriffe („Overrides“) und eine einmalige freie Ausnahme. Jeder Eingriff kostet Qualitätspunkte; fällt ein Bild zu tief, ist es kein Digifro mehr.

  • Lückenlos dokumentiert

    Im eigenen Frottage-Studio hält ein Abschluss nach dem Bild („Post-Flight“) fest, aus welchen Daten, Prompts und Fassungen ein Werk entstanden ist. Daraus werden Werkdatenblatt und Dokumentation des Werks.

Raster aus Testbildern eines lokal laufenden Bildmodells
Ein Raster aus Testbildern am eigenen Rechner: drei Regler, 48 Bilder je Stil.
Technischer Hintergrund

Stilmodell: Ein LoRA ist ein kleines Zusatzmodell, das einem großen Bildmodell eine Handschrift beibringt, hier den rauen Buntstift-Abrieb. Trainiert auf eigenen und gemeinfreien Bildern, gerechnet auf einer Grafikkarte mit 8 GB Speicher.

Messung: Jedes Werk beginnt mit der automatischen Trennung des Songs in bis zu zwölf Spuren und deren Messung über die Zeit. Wie daraus ein Bild wird, zeigt die Seite „Vom Song zum Bild“.

Zurück ins Analoge

Am Anfang stand ein abgepauster Guiro, am Ende soll wieder Papier stehen. Alle Digifros entstehen bisher am Rechner; der nächste Schritt führt den Kreis zurück: Aus dem Abrieb wurden Daten, aus den Daten soll wieder Abrieb werden. Im Oktober 2026 entstanden die ersten 35 Probierbögen mit Blei- und Buntstift, gescannt und ausgewertet. Als Nächstes trägt er echte Instrumente zusammen, deren Oberflächen sich durchreiben lassen.

  • Probierbogen: Abrieb eines Lochgitters mit Bleistiften verschiedener Härte, von 2B bis 6B
  • Probierbogen: drei Bleistift-Abriebe einer groben Gewebestruktur
  • Probierbogen: Abrieb mit violettem und rotbraunem Buntstift, unterschiedlich fest aufgetragen

Probierbögen vom Oktober 2026. Mehr dazu in der Forschung.

Der rote Faden

Digifro richtet den Perfektionismus gegen sich selbst. Dieselbe Präzision, mit der er sonst IT-Projekte steuert, setzt Oliver Lödorf ein, um bewusst Unperfektes zu erzeugen: ungleichmäßigen Druck, Schraffuren, die über den Rand laufen, Graphitstaub. Weil dieser Bruch mit derselben Konsequenz verfolgt wird wie sonst die Perfektion, wird die Imperfektion in sich schlüssig. Eine kalkulierte Entgleisung.

Digifro ist ein privates, nicht kommerzielles Hobby- und Forschungsprojekt. Es läuft neben Beruf und Familie, aus Freude und Neugier.

„Daten allein ergeben nie ein Kunstwerk, Intuition ohne Systemverständnis auch nicht.“
Oliver Lödorf